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EU AI Act: Was Industrieunternehmen jetzt konkret tun müssen

unica-ai·21. März 2026·8 Min. Lesezeit

Der EU AI Act ist die erste umfassende KI-Regulierung weltweit und gilt für alle Unternehmen, die KI-Systeme in der EU einsetzen oder auf den EU-Markt bringen – unabhängig davon, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Seit August 2024 ist die Verordnung in Kraft, die Anforderungen greifen gestaffelt zwischen 2025 und 2027.

Das Risikoklassen-Modell

Der AI Act klassifiziert KI-Systeme in vier Risikoklassen. Die Zuordnung bestimmt, welche Anforderungen gelten:

  • Inakzeptables Risiko: Verboten. Beispiele: Social Scoring, manipulative Systeme, biometrische Fernidentifikation in Echtzeit im öffentlichen Raum (mit engen Ausnahmen)
  • Hohes Risiko: Strenge Anforderungen an Dokumentation, Testing, Transparenz und menschliche Aufsicht. Betrifft u. a. KI in kritischer Infrastruktur, Beschäftigung, Bildung und Strafverfolgung
  • Begrenztes Risiko: Transparenzpflichten. Beispiel: Chatbots müssen als KI erkennbar sein
  • Minimales Risiko: Keine spezifischen Anforderungen. Betrifft die große Mehrheit der KI-Anwendungen

Was für Industrieunternehmen relevant ist

Die meisten KI-Systeme in der Industrie – Prozessoptimierung, Dokumentation, Vertriebsassistenz, Qualitätskontrolle – fallen in die Kategorien minimales oder begrenztes Risiko. Ausnahmen gibt es bei KI-Systemen, die Personalentscheidungen unterstützen, in sicherheitskritischen Anlagen eingesetzt werden oder Personen direkt überwachen.

Zeitplan

Februar 2025: Verbote für inakzeptables Risiko. August 2025: Anforderungen für General Purpose AI Models (GPAI). August 2026: Anforderungen für Hochrisiko-Systeme in Anhang I. August 2027: Alle weiteren Hochrisiko-Anforderungen.

Drei konkrete Maßnahmen für heute

  • KI-Inventar erstellen: Welche KI-Systeme werden eingesetzt oder entwickelt? Erste Risikobewertung für jedes System durchführen
  • Lieferkette prüfen: Welche KI-Komponenten kommen von Drittanbietern? Deren AI-Act-Konformität sicherstellen
  • Dokumentationsprozesse aufbauen: Auch für Niedrigrisiko-Systeme empfiehlt sich eine Basisdokumentation – sie erleichtert spätere Anpassungen erheblich

Unsere Einschätzung

Der EU AI Act klingt bürokratisch, schafft aber langfristig Klarheit. Unternehmen, die heute sauber dokumentieren, testen und überwachen, werden weniger Aufwand haben als solche, die KI-Systeme ohne Governance einführen und später nacharbeiten müssen. KI-Compliance ist kein Hindernis für KI-Nutzung – sie ist ein Qualitätsmerkmal.

Regulierung ist keine Bremse für Innovation. Sie ist der Rahmen, der Vertrauen schafft.

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